Tatort: Im Abseits

Ein Tatort voller Klischees und fehlender Tiefe! Mit diesem Satz könnte man das Fazit beenden. Das würde dem Tatort dann aber doch nur auf den ersten Blick gerecht werden.
Zunächst zur Handlung: Die hübsche Fußballerin Fadime wird nach einem Fotoshooting tot in der Umkleidekabine aufgefunden. Im Kreis der Verdächtigen landen sofort ihre Trainerin, weil ­Fadime ihr eventuell den Job kosten könnte, die Teamkollegin, weil Sie es nicht aus dem Schatten der Spielerin herausschafft, der Manager, der Exfreund und die türkische Familie. Den Platzwart nimmt man zunächst nicht war. Nun werden allerlei Klischees abgearbeitet, bis hin zum Ehrenmord scheint alles möglich. In der letzten Viertelstunde gerät dann der Platzwart in den Blick. Zunächst hofft man noch, dass der ältere Herr tatsächlich so unschuldig ist, wie er tut. Leider wird der Zuschauer dieser Träume beraubt. Die Gerichtsmedizin überführt den Täter.
­Das das Thema Frauenfußball einmal im Mittelpunkt steht – gerade jetzt eine Woche vor der WM – ist durchaus legitim. Der Tatort hat es sich ja seit Jahren zur Aufgabe gemacht, gesellschaftsrelevante Dinge oder Probleme in die Storylines einzubeziehen. Und da Fußball nun einmal bewegt, ist die Aussage „reine Promoaktion“, die im „www“ herumgeistert, etwas befremdlich. Dieser gute Ansatz, den Frauenfußball in den richtigen Fokus zu rücken wurde dann aber mit etwas zu vielen Klischees aufgeladen. Kommerzialisierung, Ehrenmord oder die Frage nach „der Seele des Fußballs“ sind dann doch zu viele Gesellschaftsprobleme. In 90 Minuten nimmt man sich so von Anfang an die Chance, auf eine Problemstellung genauer einzugehen. Am Ende bleibt ein wenig Verwirrung und das Bild, dass Fußballverrückte im Namen des Vereins sogar über Leichen gehen. Für mich hat man hier das Klischee des vereinstreuen Fans vielleicht noch etwas unnötig verstärkt und in eine negative Richtung gerückt, die eigentlich nicht vorhanden ist.
Abschließend bleibt zu sagen, dass es gut ist, dass man so viele Probleme im Kontext Fußball ausmachen konnte. Probleme kann man ja erst dann beschreiben, wenn man sie erkannt hat. Wenn man jetzt jedem Problem noch den entsprechenden Raum schenken würde, dann könnten die nächsten Tatort-Folgen, die sich mit Fußball beschäftigen an Tiefe gewinnen.


1 Antwort auf „Tatort: Im Abseits“


  1. 1 Chaosblogger 20. Juni 2011 um 17:33 Uhr

    Der letzte Tatort, bei dem es um Fußball ging, handelte von einem Homosexuellem Spieler bei Hannover, welcher ermordet wurde.

    Leider war er ebenso schelcht, hat viele Klischees erfüllt und war am Ende nicht tiefgründig genug.

    Scheint so als ob der Tatort bei den Fußballthemen immer besonders ins Fettnäpfchen tritt.
    Über den gestriegen mag ich mir kein urteil erlauben, da ich ihn nicht gesehen hab.

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