Meinungs-Blog

Sommerpause

Normalerweise verbringt man die Sommerpause damit, Videos auf YouTube anzuschauen, 20-mal am Tag auf Transfermarkt.­de die neuesten Gerüchte zu checken, oder alte Fußballsammelalben durchzublättern, um dabei in fast vergessenen Erinnerungen zu schwelgen. In diesem Jahr kam allerdings alles etwas anders. Zum ersten Mal in meiner Fankarriere musste ich von einem Verein – für immer – Abschied nehmen. Nicht dass mich das in tiefe Trauer gestürzt hätte, das Ende sah man ja vor 2 Jahren schon kommen und konnte sich demzufolge gut auf den Tag X einstellen. Es veranlasste mich eher dazu, mir nochmals die schönen Erinnerungen durch den Kopf gehen zu lassen. Bei Facebook teilte ich einem Freund folgende Gedanken mit: “Fußball ist nicht rational und das ist doch auch das Liebenswerte. Der ­FCS war wie eine zweite kleine Familie. Man kannte fast den gesamten Fanblock persönlich. Man freute sich auf die Spiele, ging extra 2 Stunden eher hin, um mit den anderen Chemikern zu quatschen. Ja, es war toll. Der Verein war nie erfolgreich, aber es war ein Verein zum Wohlfühlen! Leider hat sich dies in den letzten zwei Jahren stark geändert. Was bleibt ist die Gewissheit, dass der Verein mich geprägt hat. Wenn man immer verliert, benötigt man halt viel Optimismus! ;-) und vielleicht wird der alte Chemiegeist durch die BSG CHEMIE LEIPZIG erhalten … und dann schallt es irgendwann wieder laut durchs Leutzscher Holz: „CHEMIE FANS, SEID IHR ALLE DA?“­“
Ich denke die Worte fassen meine Gefühle ganz gut zusammen. Ich hatte keinen Hoffnungen mehr, dass beim FCS jemals wieder der alte Chemiegeist einkehren würde. Der Verein wurde zu stark von brauner und menschenverachtender Ideologie unterwandert und das machte es mir unmöglich diesen Verein zu besuchen. In der neuen Saison versucht nun die BSG Chemie das Erbe des FCS anzutreten und versucht allen Chemiker eine Heimat zu bieten. Man wird gespannt sein, was passiert. Wie wird die Entwicklung der BSG Chemie weiterverlaufen? Anstatt Videos auf youtube zu schauen, oder alte Sammelalben durchzublättern, habe ich derzeit das alte Liederbuch auf dem Schreibtisch. Und wenn die Vorfreude auf das erste Testspiel der BSG Chemie zu groß wird, dann blättere ich durch das Gesangbuch und freu mich, dass Chemie wieder zuhause angekommen ist.

Tatort: Im Abseits

Ein Tatort voller Klischees und fehlender Tiefe! Mit diesem Satz könnte man das Fazit beenden. Das würde dem Tatort dann aber doch nur auf den ersten Blick gerecht werden.
Zunächst zur Handlung: Die hübsche Fußballerin Fadime wird nach einem Fotoshooting tot in der Umkleidekabine aufgefunden. Im Kreis der Verdächtigen landen sofort ihre Trainerin, weil ­Fadime ihr eventuell den Job kosten könnte, die Teamkollegin, weil Sie es nicht aus dem Schatten der Spielerin herausschafft, der Manager, der Exfreund und die türkische Familie. Den Platzwart nimmt man zunächst nicht war. Nun werden allerlei Klischees abgearbeitet, bis hin zum Ehrenmord scheint alles möglich. In der letzten Viertelstunde gerät dann der Platzwart in den Blick. Zunächst hofft man noch, dass der ältere Herr tatsächlich so unschuldig ist, wie er tut. Leider wird der Zuschauer dieser Träume beraubt. Die Gerichtsmedizin überführt den Täter.
­Das das Thema Frauenfußball einmal im Mittelpunkt steht – gerade jetzt eine Woche vor der WM – ist durchaus legitim. Der Tatort hat es sich ja seit Jahren zur Aufgabe gemacht, gesellschaftsrelevante Dinge oder Probleme in die Storylines einzubeziehen. Und da Fußball nun einmal bewegt, ist die Aussage „reine Promoaktion“, die im „www“ herumgeistert, etwas befremdlich. Dieser gute Ansatz, den Frauenfußball in den richtigen Fokus zu rücken wurde dann aber mit etwas zu vielen Klischees aufgeladen. Kommerzialisierung, Ehrenmord oder die Frage nach „der Seele des Fußballs“ sind dann doch zu viele Gesellschaftsprobleme. In 90 Minuten nimmt man sich so von Anfang an die Chance, auf eine Problemstellung genauer einzugehen. Am Ende bleibt ein wenig Verwirrung und das Bild, dass Fußballverrückte im Namen des Vereins sogar über Leichen gehen. Für mich hat man hier das Klischee des vereinstreuen Fans vielleicht noch etwas unnötig verstärkt und in eine negative Richtung gerückt, die eigentlich nicht vorhanden ist.
Abschließend bleibt zu sagen, dass es gut ist, dass man so viele Probleme im Kontext Fußball ausmachen konnte. Probleme kann man ja erst dann beschreiben, wenn man sie erkannt hat. Wenn man jetzt jedem Problem noch den entsprechenden Raum schenken würde, dann könnten die nächsten Tatort-Folgen, die sich mit Fußball beschäftigen an Tiefe gewinnen.

Leutzscher Chaostage

Kein Tag vergeht, an dem man nicht eine neue Schreckensnachricht aus Leipzig-Leutzsch zur Kenntnis nehmen muss. Der frühere Kultverein entwickelt sich zu einem schlechten Scherz. Doch lachen kann man eigentlich schon lange nicht mehr. Für alle, die langsam den Überblick verlieren und für Alle, die eine weitere Analyse der Leutzscher Chaostage haben wollen, ist hier der Versuch, die Situtation darzustellen und zu bewerten.
Derzeit spaltet sich die Leutzsche Gemeinde in drei Teile: Die „SG Leipzig-Leutzsch“-Fraktion, die BSG-Fraktion und die LMAA-Fraktion.
Die Fraktion der SG Leipzig-Leutzsch hat sich auf die Fahne geschrieben, das Erbe des FC Sachsen zu retten. Der Jugend – einschließlich der U-23 – soll eine Perspektive geboten werden und der geliebte AKS soll erhalten bleiben. Langfristig soll an einer Wiedervereinigung des Leutzscher Fußballs gearbeitet werden. Und das Ganze mit einem Etat von ca. 300.000 Euro, welches von kleineren Sponsoren – die derzeit noch anonym sind – aufgebracht wird. Es stellt sich die Frage, wer diese Sponsoren sind und warum diese nicht beim FCS eingesprungen sind? Damals als Jens Fuge mit dem Klingelbeutel umherzog fand sich keine Hilfe und dem neuen Verein wird „die Bude eingerannt“? Welche Anziehungskraft strahlt die SGLL denn aus? Das ganze erscheint mysteriös und könnte ein weiteres Kapitel in dem Buch „Leutzsch -Luftschlösser und Seifenblasen“ sein. Der Ausgang scheint ungewiss. Über den langfristigen Wunsch der SGL, den Leutzscher Fußball wiederzuvereinen möchte ich gar nicht sprechen. Wozu die Neugründung? Warum hat man sich nicht in BSG Chemie eingebracht? Die Antwort brachte Jamal Engel selbst: Die Sponsoren, würden das nicht wollen! Aha! Sponsoren wollen also keinen Fußballverein mit einer großen und bunten Fanszene! Leuchtet ein ;-) Meine Prognose ist, dass die SGL, eher früher denn später, tiefrote Zahlen schreiben wir und das Leutzscher Erbe dadurch weiterhin mit Füßen getreten wird. Jetzt wäre die Chance dagewesen, alle Leutzscher wieder ins Boot zu holen, aber diese Chance wurde vertan. Das bringt uns zur zweiten Fraktion. Die LMAA-Fraktion! Das Leutzscher Theater zieht sich nun schon seit einigen Jahren zäh dahin. Seit 2004 bin Ich der festen Überzeugung, dass der absolute Tiefpunkt eigentlich erreicht sein müsste. Leider bestätigte sich diese Aussage bisher nicht. Da kann es eigentlich nicht verwundern, dass einige Leutzscher irgendwann am Wochenende zu Hause blieben um sich im Fernsehen Bundesliga oder Premier League anzuschauen. Seit Neuestem können sich Leutzscher, denen es eigentlich immer nur um ein interessantes Spiel ging, auch bei Rasenballsport Leipzig amüsieren. Eine enorme Konkurrenz! Man hätte vielleicht mit einer BSG CHEMIE im AKS einige Herzen zurückerobern können. Man hätte es probieren müssen. Vielleicht hätte es geklappt. Die letzte Gruppe ist die Gruppe der BSG Chemie. Man kann die Abspaltung , welche 2008 erfolgte, als letzten Todesstoß für den FCS begreifen oder als das letzte Aufbäumen gegen den Tod des Leutzscher Fußball. Aber ob nun Verrat oder nicht, eigentlich bleibt festzuhalten, dass der Verein seit 2008 seriös und bodenständig wirtschaftet und sich dadurch einer immer größer werdenden Gruppe an Sympathisanten erfreut. Die BSG Chemie wird nächstes Jahr in der Landesliga antreten, wahrscheinlich gegen die SG Leipzig-Leutzsch. Das wird dann der Tag sein, an dem erneut viele negative Schlagzeilen über den Leutzscher Fußball auftauchen werden und wieder ein Stückchen mehr Leutzscher Fußball zerstört wird.